CfP/CfD: Professorale Karrieremuster Reloaded – Daten, Methoden und Analysen der digitalen Frühneuzeitforschung zur Universitäts- und Gelehrtengeschichte, 20./21. und 27.-28.10.21 – Deadline: 03.09.21

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Call for Papers/Call for Data

Veranstaltung des Projekts „Professorale Karrieremuster“
Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, HTWK Leipzig

Abschlusstagung:                  27.–28.10.2021
Pre-Workshop/Hackathon:    20.–21.10.2021

Thema

Das DFG-Projekt „Professorale Karrieremuster der Frühen Neuzeit: Entwicklung einer wissenschaftlichen Methode zur Forschung auf online verfügbaren und verteilten Forschungsdatenbanken der Universitätsgeschichte“, durchgeführt von der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel in Kooperation mit der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur in Leipzig, lädt zur Abschlusstagung mit einem vorgelagerten Hackathon.

Leitfrage des Projekts ist die nach den Bedingungen für den beruflichen Erfolg von Professoren im frühneu zeitlichen Universitätssystem. Dabei ist es das Anliegen zu erproben wie mögliche gelehrte Karrieremuster mit den Methoden der Digital Humanities sichtbar gemacht werden können. In der Forschung diskutierte Karrieremuster mit Zuschreibungen wie Familiendynastie und Nepotismus sollen mithilfe von Semantic-Web-Technologien quasi einen digitalen Reload erleben.

Vor diesem Hintergrund wurden prosopographische, universitätsgeschichtliche bzw. gelehrtengeschichtliche Daten den FAIR-Data-Prinzipien gemäß nach Semantic-Web-Standards modelliert und eine Domänenontologie entworfen, welche die Spezifik des Gelehrten Feldes der Frühen Neuzeit im deutschsprachigen Raum reflektiert und das vorhanden Datenmaterial forschungsspezifisch arrangiert. Die aktuelle Version 0.2 beinhaltet das Modell mit relevanten Konzepten und deren Relationen. Die Version 0.3 befindet sich im abschließenden Stadium des Entwicklungsprozesses, in welchem Restriktionen, Kardinalitäten und Schnittmengen diskutiert werden. Nicht zuletzt sollen die Anregungen der Abschlusstagung in das Endergebnis einfließen und letztlich eine Domänenontologie hervorbringen, die der Forschungsgemeinschaft zusätzlich durch Angleichung an Top-Level-Ontologien wie CIDOC-CRM oder DOLCE+DnS Ultralite (DUL) universell und interoperabel zur Verfügung gestellt werden kann.

Wir suchen

Dahingehend sprechen wir Frühneuzeitforscher*innen und Wissenschaftler*innen angrenzender Forschungsfelder mit Be- zug zu den Digital Humanities sowie Informatiker*innen und Informationswissenschaftler*innen an, die vor dem Hinter – grund der Forschungsfrage sowie der gewählten digitalen Methode das vorliegende Vokabular diskutieren, den Datensatz explorieren und übergreifend methodisch-theoretische Fragestellungen der digitalen Geschichtswissenschaft erörtern möchten. Zudem suchen wir explizit Forschungsdaten im Bereich der Bildungs- und Gelehrtengeschichte, die den

besagten Datensatz und das Vokabular erweitern. Diese Daten können aus dem Bereich frühneuzeitlicher prosopographisch orientierter Forschung zur Geschichte des Gelehrtentums bzw. des Professorenberufs stammen und mögliche Themen wie Patronage und Netzwerkbildung, die Funktionsweise gelehrter Körperschaften, gelehrte Sammlungen oder die Strategien des akademischen Publizierens usw. umfassen. Die vorgeschlagenen Daten müssen strukturiert (z. B. Excel, CSV, XML, JSON, SQL) vorliegen und unter einer Open-Data-kompatiblen Lizenz zur Verfügung stehen. Wenn Sie unsicher sind, ob ihre Daten bzw. Datenbanken thematisch und/oder technisch passen, sprechen Sie uns gerne an. Kurz vor der Abschlusstagung werden wir einen Hackathon veranstalten, bei dem eingereichte Daten in das RDF-Format transferiert werden. So geben wir Forschenden die Möglichkeit, ihre Daten Semantic-Web-fähig zu machen und ermöglichen es gleichsam Informatiker*innen mit den oftmals heterogenen frühneuzeitlichen Daten zu arbeiten.

Ablauf und Formalia

Tagung und Hackathon werden rein digital geplant. Vorgesehen sind an den Tagungstagen sparsam angesetzte 20-minütige Vorträge mit genügend Raum für Diskussionen. Wir hoffen auf zahlreiche Einreichungen und werden auch jene einschlägigen Beiträge berücksichtigen, deren Verfasser*innen an den Tagungstagen keinen Vortragsslot erhalten können. Diese bekommen die Möglichkeit ein digitales Poster zu präsentieren. Beiträger der Tagung und des Hackathons bzw.

dessen Ergebnisse erhalten Raum in der im Anschluss an die Tagung geplanten Open-Access-Publikation. Für die Publikation stehen finanzielle Mittel zur Verfügung. So soll am Ende ein Tagungsband entstehen, der dem hybriden Charakter der Tagung Rechnung trägt und aktuelle Fragen der Universitäts- und Gelehrtengeschichte sowie methodisch- theroetische Überlegungen der Digital Humanities reflektiert.

Beitrags- und Datenvorschläge bitten wir in Form eines Abstracts (max. 500 Wörter) über EasyChair bis zum 03.09.2021 einzureichen. Ausgewählte Beiträge erhalten bis zum 10.09.2021 Bescheid.

Konferenzsprachen Deutsch und Englisch

Kontakt

Dr. Hartmut Beyer, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, beyer@hab.de Jennifer Blanke, M.A., Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel, blanke@hab.de Prof. Dr. Thomas Riechert, HTWK Leipzig, thomas.riechert@htwk-leipzig.de

Programmkomitee

Vincent Alamercery (ENS de Lyon, LARHRA)
Francesco Beretta (CRNS LARHRA, Lyon)
Karen Bruhn (CAU Kiel)
Swantje Dogunke (ThULB Jena)
Torsten Hiltmann (HU Berlin)
Edgard Marx (HTWK Leipzig)
Margrit Prussat (Universitätsarchiv Bamberg)
Timo Steyer (UB der TU Braunschweig)
Jörg Wettlaufer (Akademie der Wissenschaften zu Göttingen)

Links

https://pcp-on-web.htwk-leipzig.de/project/#de

https://workbench.pcp-on-web.de/ontology/index-de.html

https://pcp-on-web.htwk-leipzig.de/project/pcp-reloaded/de/

https://easychair.org/my/conference?conf=pcpreloaded2021#

Fristverlängerung Einreichungen Peter Haber Preis für Digitale Geschichtswissenschaft 2021: 19.7.21!

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Einreichungsfrist: Verlängert bis zum 19. Juli 2021
Auskünfte: Prof. Dr. Torsten Hiltmann und Dr. Mareike König,
Rückfragen: GW-digital [at] historikerverband.de
Einreichungen: https://phpdigigw21.sciencesconf.org/

Zum Historikertag 2021 schreibt die AG Digitale Geschichtswissenschaft im VHD zum ersten Mal gemeinsam mit dem VHD und dem Deutschen Historischen Institut Paris den Peter Haber Preis für digitale Geschichte aus. Prämiert werden Projekte, die einen innovativen Beitrag zum Gegenstandsbereich der digitalen Geschichtswissenschaft leisten. Einen epochalen oder methodischen Schwerpunkt gibt es nicht. Einreichungen sollen den Stand eines bereits laufenden Projekts der digitalen Geschichtswissenschaft anschaulich beschreiben. Eingereicht werden können Einzelprojekte (z.B. Dissertation) genauso wie Editions- und Infrastrukturprojekte oder Projekte zur Entwicklung von Tools. Die Projekte können sowohl die Theorie der digitalen Geschichte betreffen als auch Methoden- oder Praxisanteile beinhalten.

Weitere Informationen unter:  https://digigw.hypotheses.org/3804

 

Zweiter Versuch: Einladung zur virtuellen Tagung “Digital History” vom 1.-3. März 2021 (ursprünglich Göttingen, März 2020)

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Letztes Jahr hat uns das Coroanvirus kurz vor der Tagung ausgebremst und wir mussten die lange geplante Veranstaltung leider wenige wenige Tage vor dem Start absagen. Zunächst hatten wir gehofft, die Tagung in Präsenz im Frühjahr 2021 durchführen zu können. Das hat sich schon im Herbst 2020 als unrealistisch herausgestellt. Daher haben wir nunmehr das Format auf virtuell umgestellt und den Ablauf der Tagung auch neu strukturiert. Die beiden Pre-Conference-Workshops sind ebenfalls in ein digitales Format überführt und finden am 25.2.2021 (Bloggen) und am 26.2.2021 (Programmieren) statt. Das ursprünglich ebenfalls geplante Barcamp muss aufgrund des neuen virtuellen Formats leider ausfallen.

Anders als bei einer Präsenzveranstaltung werden bei unserer virtuellen Tagung außer den drei Keynotes keine Vorträge gehalten. Vielmehr wollen wir so viel wie möglich miteinander diskutieren und in einen Austausch treten. Die ursprünglich als Vorträge geplanten Beiträge werden vorab als Screencast, Video, Präsentation, Podcast, Paper, Zeichnung… etc. über unseren Tagungsblog in einem geschützten Bereich für die Tagungsöffentlichkeit ab Mitte Februar 2021 zur Verfügung gestellt. Das aktualisierte Tagungsprogramm finden Sie unter: https://digitalhist.hypotheses.org/tagungsprogramm

Die Tagung selbst besteht aus Diskussions-Round-Tables. Zu jedem Paper gibt es zunächst einen kurzen Kommentar eines Respondenten oder einer Respondentin. Darauf antworten die Beitragenden, bevor dann die Diskussion mit allen Teilnehmenden eröffnet wird. Wir freuen uns auf einen regen Austausch!

Um in den geschützen Bereich mit den Links zu den Round Tables zu gelangen, ist eine Anmeldung erforderlich: https://digitalhist.hypotheses.org/category/register

Wenn wir jetzt keinen globalen Sonnensturm mit Stromausfall im März haben, hoffen wir möglichst viele „Digital Historians“ und alle, die an dem Thema interessiert sind,  virtuell bei unserer Tagung begrüßen zu dürfen. Machen wir das Beste aus der Situation und bleiben Sie gesund!

Das Organisationsteam

Karoline Döring, Mareike König, Stefan Haas und Jörg Wettlaufer

Online Petition zur Digitalen Fernleihe! Jetzt aktiv werden für die digitale Auslieferung von Kopien in der Fernleihe wissenschaftlicher Bibliotheken!

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Es gibt neue Informationen zur Digitalen Fernleihe: Die SUB Göttingen informiert unter https://www.sub.uni-goettingen.de/sub-aktuell/einzelansicht/einstellung-des-scan-deliver-dienstes-und-der-elektronischen-kopienlieferung-der-fernleihe/ , dass die elektronische Kopienlieferung, die Aufgrund der COVID19 Krise gestartet wurde, nun wieder eingestellt  wird. Der Scan & Deliver-Dienst und die elektronische Kopienlieferung der Fernleihe wurden in der Anfangsphase des Corona-Lockdowns ermöglicht durch ein Abkommen zwischen der Kultusministerkonferenz der Länder und den Verwertungsgesellschaften VG Wort und VG Bild-Kunst. Die Vereinbarung sei bis zum 31.5.2020 begrenzt und wurde nun leider nicht verlängert. Vor diesem Hintergrund müsse die SUB Göttingen den Scan & Deliver-Dienst und die elektronische Kopienlieferung der Fernleihe an Endnutzerinnen und Endnutzer zum 31.5.2020 einstellen. Die Bibliotheken seien an die rechtlichen Rahmenbedingungen gebunden und kann daher diesen Service nicht fortführen.

Meine persönliche Meinung dazu: SEHR SCHADE! VG Wort und Bild-Kunst vergeben eine wichtige Chance zur Digitalisierung in der Wissenschaft!!! Die Bibliotheken würden gerne weitermachen, aber die Interessenvertretungen der AutorInnen blockieren eine Fortsetzung. Vielleicht wäre es nun Zeit für eine Online-Petition für die Digitale Fernleihe? Alle reden von mehr Digitalisierung, aber die Realität sieht leider oft ganz anders aus…

Und das soll jetzt schon wieder vorbei sein? Wer Interesse hat, bitte gerne bei mir melden und dann setzen wir gemeinsam eine Petition auf und sammeln Unterschriften. Es mag zwar nur wie eine kleine Änderung im Verfahrensablauf der Fernleihe klingen, aber für die Arbeitsmöglichkeiten von WissenschaftlerInnen hat die direkte Auslieferung digitaler Versionen der von Ihnen benötigten Literatur große Auswirkungen. Textmining und Information Retrieval sowie mobile digitale Nutzung der Literatur ist nur im digitalen Format möglich. Mit der digitalen Kopienlieferung würden wir uns sehr viel Zeit für die erneute Digitalisierung der Texte  sparen, die wir besser in Forschung und Lehre investieren könnten. Und die Vermeidung von Papierausdrucken bei denen, die eine digitale Kopie bevorzugen, würde zudem die Umwelt schonen! Es spräche also nichts dagegen, denn wir alle sind nicht nur die Nutzer der Fernleihen sondern in der Regel auch die Autoren der Artikel und Texte, die wir über die Fernleihe bestellen. Die Vereinfachung wäre im Interesse aller Betroffenen. Wenn die VG-Wort einmal alle AutorInnen zu diesem Thema befragen würde, dann gäbe es bestimmt ein positives Ergebnis für die Möglichkeit, die Texte auch digital zu erhalten. Wer sollte auch etwas dagegeben haben? Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind ja, ob nun digital oder auf Papier, immer die selben. Die Zeit und Energie, die wir in die Retrodigitalisierung von ursprünglich schon digital verschickten Fernleihkopien stecken, steht in keinem Verhältnis zu einer möglichen Verringerung der Ausschüttungen von VG-Wort and die AutorInnen. Das ist zumindest meine Meinung zu dem Thema.

1. Call for papers zur 20. MVE-Tagung 2020 an der TU Braunschweig

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[30.5.2020]

Leider muss auch diese Tagung aufgrund von COVID19 auf das nächste Jahr verschoben werden. Die MVE-Liste wird den Call mit einer neuen Deadline versenden, wenn abzusehen ist, wann die Tagung stattfinden kann. Sehr schade, aber momentan sind Präsenztagungen einfach noch nicht wieder organisierbar.

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Dieser CfP mag einigen hier etwas off-topic erscheinen, aber das Thema dieses Call ist gar nicht sooooo weit von den Digital Humanities entfernt, wie es auf dem ersten Blick erscheinen möchte. Da sind zum Beispiel die „personellen Überschneidungen“, wenn ich es mal so ausdrücken darf. Drei Beispiele:

Gerhard Lauer, Professor für Digital Humanities in Basel, interessiert sich schon lange für die Evolution und hat erst vor kurzem in der NZZ veröffentlicht: „Wenn Geisteswissenschaften die Methoden der Evolutionstheorie übernehmen

Und auch Patrick Sahle, Professor für Digital Humanities in Wuppertal sowie Hubertus Kohle, Professor für mittlere und neuere Kunstgeschichte in München, scheinen zumindest interessiert, wie diese beiden Tweets nahe legen:

John Carter Wood, Wissenschaftlicher Koordinator des Projekts NFDI4Memory am IEG in Mainz interessiert sich schon seit vielen Jahren für Evolutionäre Psychologie.

Jörg Wettlaufer (=ich), Koordinator für Digitalisierung an der Philosophischen Fakultät der Georg-August Universität und der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, habe bekannterweise auch großes Interesse an der Evolutionstheorie und bin der MVE-Liste seit Anbeginn verbunden.

Wenn ich etwas tiefer suchen würde, dann würden sich bestimmt noch andere KandidatInnen finden, die Interesse an beiden Forschungsfeldern haben. Korrelation ist noch keine Kausalität, aber interessant ist die Beobachtung doch, finde ich.Vielleicht mal ein Thema für ein Panel auf einer der nächsten DH-Tagungen…? Zwei Treffer auf der ersten Seite einer einfachen google-Suche nach Evolutionary Anthropology & Digital Humanities lassen mich jedenfalls hoffen.

Wer jedenfalls mehr über Evolution und die Auswirkung von Anpassungsprozessen auf das menschliche Verhalten erfahren will und gerne interdisziplinär denkt, ist herzlich eingeladen, teilzunehmen.

1. Call for papers zur 20. MVE-Tagung 2020 an der TU Braunschweig (Organisation Nicole Holzhauser, Christian Ebner, Farina Wille und Frank Eggert)

MVE-Treffen 2020
an der TU Braunschweig
vom 1. bis 3. Oktober 2020

EVOLUTION UND ANPASSUNG. Menschliches Verhalten und die evolutionäre Perspektive

Evolutionäre Theorien, sofern sie sich auf Darwin beziehen, sind traditionell in der Biologie verortet. Inzwischen werden evolutionstheoretische Überlegungen aber auch in den Kultur-, Sozial- und Verhaltenswissenschaften (wieder) diskutiert und angewendet. So werden beispielsweise in der Evolutionspsychologie und in der Evolutionären Soziologie evolutionstheoretisch fundierte Modelle herangezogen, um menschliches Verhalten in unterschiedlichen Domänen zu beschreiben und zu erklären. Aufmerksamkeit haben dabei bisher besonders vermeintlich biologienahe Verhaltensbereiche, wie etwa Partnerwahl und Reproduktion, oder dichotomisierende Debatten zur Anlage-Umwelt-Kontroverse erfahren. Aber auch andere zentrale Problemfelder der Evolutionstheorie wie etwa die Frage nach stabilen Systemen von Kooperation oder der Funktion von sozialen Strukturen oder sozialen Signalen werden sowohl theoretisch als auch empirisch behandelt.

Seit 20 Jahren fördert die MVE-Liste inzwischen den interdisziplinären Austausch von Wissenschaftler*innen verschiedenster Fachhintergründe zum Thema „Menschliches Verhalten aus evolutionärer Perspektive“ und bietet mit den MVE-Treffen eine Kommunikationsplattform für evolutionstheoretisch informierte Forschung. Mit dem Ziel, die (theorie-)kritische Diskussion von evolutionstheoretischen Ansätzen in den Verhaltens- und Sozialwissenschaften weiter anzuregen, wollen wir die Tagung in diesem Jahr in psychologisch-soziologischer Kooperation unter das Motto „Evolution und Anpassung“ stellen und dabei sowohl eine Reihe von grundlegenden theoretischen Problemen erörtern als auch die Nützlichkeit evolutionstheoretischer Theoriebildung in der Erklärung menschlichen Verhaltens und sozialer bzw. gesellschaftlicher Phänomene am Beispiel verschiedener Domänen und empirischer Anwendungsfelder diskutieren.

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Stellenangebote am Institut für Digital Humanities in Göttingen

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Ich möchte auf zwei Stellenangebote am Institut für Digital Humanties in Göttingen hinweisen, für die man sich ab sofort und bis spätestens 17.09.2019 bewerben kann:

1. 

wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in (w/m/d)

mit 100 % der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit (zzt. 39,5 Stunden/Woche) befristet für die Dauer von zunächst drei Jahren zu besetzen. Die Entgeltzahlung erfolgt nach Entgeltgruppe 13 TV-L.

Ihre Aufgaben
– Mitwirkung am Forschungsprojekt „EGRAPHSEN“ (s. https://www.uni-goettingen.de/de/598165.html)
– Mitwirkung an den Lehrveranstaltungen gem. § 31 NHG und bei der Studienberatung
– Mitarbeit bei der Verwaltung der Studiengänge sowie von Bibliothek und e-Learning-Angeboten
– Eigene Forschung

Ihr Profil
– abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium in Klassischer Archäologie, bevorzugt mit Promotion
– Bereitschaft, eine Qualifikationsarbeit mit einem Thema aus dem Bereich der Digitalen Vasenforschung anzufertigen
– einschlägige Sprachkenntnisse in Englisch

Vollständige Ausschreibung unter: https://www.uni-goettingen.de/de/305402.html?cid=14556

2.

wissenschaftliche_r Mitarbeiter_in (w/m/d)

mit 65 % der regelmäßigen wöchentlichen Arbeitszeit (zzt. 25,87 Stunden/Woche) befristet für die Dauer von zunächst drei Jahren zu besetzen. Die Entgeltzahlung erfolgt nach Entgeltgruppe 13 TV-L.

Ihre Aufgaben
– Mitwirkung an den Lehrveranstaltungen gem. § 31 NHG und bei der Studienberatung
– Mitarbeit bei der Verwaltung der Studiengänge sowie von Bibliothek und e-Learning-Angeboten
– Unterstützung bei den anfallenden IT-Aufgaben
– Mitarbeit an Forschungsprojekten der Abteilung „Bild und Objekt“
– Eigene Forschung zur Anfertigung einer Dissertation

Ihr Profil
– abgeschlossenes wissenschaftliches Hochschulstudium in Informatik oder in einer Bildwissenschaft (Klassische Archäologie, Kunstgeschichte, etc.)
– Erfahrungen im Bereich der Digital Humanities
– Bereitschaft, eine Qualifikationsarbeit in einem Thema aus dem Bereich der Digitalen Bild- und Objektwissenschaft anzufertigen
– einschlägige Sprachkenntnisse in Englisch

Vollständige Ausschreibung unter: https://www.uni-goettingen.de/de/305402.html?cid=14555

Workshop: Text Mining mit Open Semantic (Desktop) Search – eine digitale Such- und Annotationsumgebung für informationsgetriebene Fragestellungen in den Geisteswissenschaften. DHd 2019, Mainz, 25.3.19.

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Am 25.3.19  findet ein Workshop zu Open Semantic (Desktop) Search (OSDS) auf der DHd in Mainz statt. We are so exited :-). Er basiert auf dem Hands On, der auf dem Historikertag 2018 in Münster durchgeführt wurde. Dieser Blogbeitrag leitet durch die Installation von OSDS und stellt Nutzungsbeispiele vor.

Die zugehörigen Slides für den Workshop finden Sie hier.

Zunächst einmal – worum handelt es sich? OSDS ist eine freie Software, die nur aus Open Source Bestandteilen zusammengestellt wurde und auf dieser Grundlage als Donationware weiter entwickelt wird. Das Projekt stammt aus dem Journalismus und spezieller aus dem Bereich des investigativen Journalismus, der sich heutzutage mit teilweise riesigen Datenmengen (Stichwort: Panama Papers) auseinander setzen muß/möchte.

Der Entwickler hinter OSDS ist Markus Mandalka, der den Workshop mit ausrichtet und in den letzten Tagen auch ein neues Release von OSDS vorbereitet hatte. Open Semantic Search kann man auf der oben verlinkten Seite von Markus Mandalka in drei Varianten, die er über die Webseite www.opensemanticssearch.org und ein dazugehöriges github-repository anbietet, herunterladen:

1. Open Semantic Desktop Search

2. Open Semantic Search Appliance

3. Open Semantic Search Server (Package)

Paket 1 ist eine VM Appliance, die man mit Oracle Virtual Box laden und lokal auf einem Rechner betreiben kann. Für den Workshop wurde die VM auf den aktuellen Stand von Virtual Box (6.0.4.) angepaßt. Die Appliance wird in zwei Varianten zum Download angeboten: einmal mit englischen und einmal mit deutschen Keyboard Settings. Die deutsche Version wurde vor kurzem aktualisiert (08.04.19). Die anderen Versionen sind teilweise noch auf dem Stand von Dezember 2018. Für den workshop nutzen wir die aktuelle deutsche Version.

Die zweite Variante ist ebenfalls eine Appliance, die ebenfalls unter Oracle Virtual Box läuft, aber nur einen Server als localhost bereit stellt. Dort fehlt der „Desktop“ im Debian Linux, auf dem beide Distributionen aufsetzen. Wie das so bei virutuellen Maschinen für Virtual Box üblich sind, bringen die Appliances ein gewisses Gewicht auf die Waage. Die OSDS Version schlägt mit etwa 3GB zu Buche, die Servervariante OSS mit (nur) 1.8 GB. Das dritte Paket (OSSS) ist mit etwa 300 MB am Leichtgewichtigsten, aber erwartet natürlich auch eine Installation und vor allem Konfiguration auf einem Debian oder Ubuntu basierten System. Letzteres haben wir inzwischen ausprobiert und es hat auch gut funktioniert: https://teaching.gcdh.de/search/ .

Bevor wir zur mit der Installation von OSDS beginnen, vorab noch einige Informationen zum Leistungsumfang des Pakets und warum es sich überhaupt lohnt, sich damit zu beschäftigen. Kernstück der Enterprise Suchmaschine ist ein Lucene SOLR Indexer (Elastic Search ist ebenfalls verwendbar), mit dem recht beliebige Dokumente indexiert werden können. Die enthaltenen Informationen werden damit als Keyword im Kontext findbar und referenzierbar. Aber OSDS ist noch wesentlich mehr. In dem Paket ist auch ein sogenanntes Open Semantic ETL (Extract-Transform-Load) Framework integriert, in dem die Texte für die Extraktion, Integration, die Analyse und die Anreicherung vorbereitet werden. Es handelt sich um eine Pipeline, die einem sehr viel von Arbeit hinsichtlich der Bereitstellung der Texte für den Indexer abnimmt. Wer mit Lucene/Solr arbeitet weiß, wie viel Zeit die Aufbereitung der Daten in der Regel beansprucht. OSDS nimmt einem viel davon ab und kümmert sich nach dem Prinzip eines überwachten Ordners um sämtliche Schritte, die von der Extraktion über die linguistische Analyse bis zur Anreicherung mit weiteren Metadaten notwendig sind. Schliesslich stellt das Paket auch einen Webservice (Rest-API) für die maschinelle Kommunikation sowie ein durchdachtes User Interface zur Verfügung, mit dem die Suchmaschine bedient, konfiguriert und natürlich auch durchsucht werden kann. Die facettierte Suche spielt dabei eine besondere Rolle, da die Facetten mehr oder weniger automatisch aus der linguistischen Analyse der Texte und auf der Grundlage von  (konfigurierbaren) Namen Entities (Personen, Orte, Organisationen etc.) gebildet werden. Entsprechend sind auch die Hauptfunktionen des Softwarepakets angelegt: Sucheninterface, ein Thesaurus für Named Entities, Extraktion von Entitäten in neu zugefügten Texten, eine listenbasierte Suche sowie eine Indexfunktion, die den Aufbau des Suchindex neu anstößt. Und das alles in einem einfach zu bedienden Userinterface, das mit der Maus bedient werden kann.

Wer nun neugierig oder enthusiastisch geworden ist, dem sei gesagt, dass es wie meist im Leben einen Wermutstropfen gibt: insbesondere OSDS aber auch OSS brauchen gewisse Ressourcen, um ihre Arbeit effizient verrichten zu können. Als Mindestausstattung für einen Betrieb unter Orcale Virtual Box gebe ich 8 GB RAM und (der Größe des Projekts entsprechend) ausreichend Speicherplatz auf einer SSD an. Eventuell kann man sich, bei schwacher Hardware, eines Tricks bedienen und den Index auf einer schnellen Maschine (aktueller Mehrkernprozessor mit möglichst üppigem RAM) erstellen lassen und dann beides (Appliance und Solr-Index) auf das betreffende Gerät zurückspielen. Meist reicht dann die Performance, um zumindest die Suchfunktionalität auch auf schwächerer Hardware zu ermöglichen. Ein weiterer Ressourcenfresser beim Anlegen des Index ist OCR. OSDS hat Tesseract als eigene OCR Egine inkl. (hört hört) Frakturerkennung! integriert. Wenn man seine PDF Dokumente aber vor der Indexierung erst noch mit der OCR behandelt, kann man den Rechner bei entsprechender Materialfülle gerne mal ein oder zwei Tage beschäftigen, bevor sich (hoffentlich) ein brauchbares Ergebnis zeigt. Daher rate ich (ebenso wie der Entwickler es tut) dazu, OCR erst mal abzustellen, wenn man es nicht unbedingt braucht (geht im Konfigurationsmenue) und den Index zunächst mal nur mit schon vorhandenen Textlayern oder am besten mit Dokumenten zu füttern, die eh nur aus Text bestehen. Dabei ist die Suchmaschine recht offen für Formate und bringt eine Menge Filter mit, die den Text extrahieren können (hier mal die Liste von der Webseite kopiert: text files, Word and other Microsoft Office documents or OpenOffice documents, Excel or LibreOffice Calc tables, PDF, E-Mail, CSV, doc, images, photos, pictures, JPG, TIFF, videos and many other file formats). Im Hintergrund werkelt hier natürlich Apache Tika.

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CfP: Digital History: Konzepte, Methoden und Kritiken digitaler Geschichtswissenschaften, Göttingen, 16.-18. März 2020

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Veranstaltet von der AG Digitale Geschichtswissenschaft im VHD
Organisiert von: Karoline Döring, (München); Stefan Haas (Göttingen); Mareike König (Paris), Jörg Wettlaufer (Göttingen)
Wissenschaftlicher Beirat: Andreas Fickers, Gudrun Gersmann, Simone Lässig,  Malte Rehbein, Patrick Sahle, Charlotte Schubert, Georg Vogeler

Deadline: für die Einreichung von Vorschlägen (eine PDF-Datei) 15.4.2019
Mailadresse: digihist@digihum.de
Termin der Tagung: 16.-18. März 2020
Ort: Göttingen, SUB Historisches Gebäude, Papendiek 14, Alfred-Hessel Saal.

Die historische Forschung und Lehre haben sich in den letzten Jahren durch die Digitalisierung von Quellen, Methoden und Forschungsumgebungen, innerhalb derer Geschichtswissenschaft durchgeführt, produziert, diskutiert und verbreitet wird, tiefgreifend verändert. Massendigitalisierungsprojekte ermöglichen einen zeit- und ortsunabhängigen Zugang zu Quellen und Literatur. Kommerzielle und OpenSource-Programme stehen bereit, um mittels qualitativer und/oder quantitativer Datenanalyse verschiedene methodische Verfahren zur Analyse und Interpretation dieser Quellen anzuwenden. Die Fachinformation hat sich überwiegend ins Netz verlagert und schließt partizipative Medien ein. Die Bandbreite an digitalen Lehrmethoden hat stark zugenommen, während die Online-Präsentation von Forschungsergebnissen und Citizen-Science-Projekten den Dialog und das aktive Einbinden der breiten Öffentlichkeit in den Forschungsprozess ermöglichen. Lehrstühle zur Digital History werden eingerichtet, die Historikertage haben selbstverständlich digitale Sektionen und fast jedes neue Forschungsprojekt hat einen (wenn auch manchmal kleinen) digitalen Anteil.

By Martin Grandjean – Grandjean, Martin (2014). „La connaissance est un réseau“. Les Cahiers du Numérique 10 (3): 37-54. DOI:10.3166/LCN.10.3.37-54., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=293646

Doch auch wenn sich die Digital History einen zunehmend respektablen Platz im Fach erworben hat, bleibt sie in den Augen vieler ein “ewiges Versprechen” (Cameron Blevins 2016). Hier möchte die Tagung “Digital History: Konzepte, Methoden und Kritiken digitaler Geschichtswissenschaften” ansetzen und eine Bilanz ziehen, indem sie  Veränderungen in der Art und Weise, wie die Geschichtsforschung durchgeführt und kommuniziert wird, auf der einen Seite und neue Objekte, Methoden und Werkzeuge der Analyse und ihre Auswirkungen auf der anderen Seite thematisiert. Die Tagung ist themen- und epochenübergreifend. Drei große Themenbereiche werden dabei diskutiert:

  • Zum ersten soll anhand von Forschungsprojekten das Potential digitaler Methoden ausgelotet und kritisch beleuchtet werden. Der Fokus liegt dabei auf dem Beitrag, den digitale Methoden für die Entwicklung von historischen Argumenten und Interpretationen leisten können.
  • Zum zweiten wird danach gefragt, wie sich geschichtswissenschaftliche Forschung, ihre Themen, Praktiken sowie Kommunikations- und Publikationskulturen im digitalen Zeitalter verändern und wie das Verhältnis von digitalen und klassisch hermeneutischen Methoden neu zu bestimmen ist.
  • Und zum dritten werden Auswirkungen des digitalen Wandels für den wissenschaftlichen Nachwuchs, für die Lehre und für die Forschungsförderung in den Geschichtswissenschaften thematisiert.

Damit sollen Konzepte zum Umgang mit Digitalität und der digitalen Transformation aufgezeigt, der Ort digitaler Methoden innerhalb der Geschichtswissenschaften neu bestimmt und aktuelle wie zukünftige Arbeitsfelder digitaler Geschichte erkundet werden. Wir streben einen kritischen Dialog von digital arbeitenden und nicht-digital arbeitenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an, die zum selben Thema forschen. Um Potentiale und Grenzen der digitalen Methoden zu entdecken, sehen wir insbesondere zu den methodischen Vorträgen Respondenten vor, die die Vorträge kritisch kommentieren.

Die Tagung ist auf zweieinhalb Tage angelegt und beginnt am Montag, den 16.3.2020 Nachmittags. Der Tagung vorgeschaltet ist ein halbtägiger Hands-On-Workshop, der sich der Anwendung einer digitalen Methode und Basis-Programmierkenntnisse für die geschichtswissenschaftliche Forschung widmet. Ein halber Tag wird als BarCamp veranstaltet, bei dem Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort selbst über zu diskutierende Themen entscheiden.

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Bericht DHd 2018 Köln „Kritik der digitalen Vernunft“, 26.2.-2.3. #dhd2018

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Köln ist eine schöne Stadt! Und wenn die Jahrestagung des Vereins Digital Humanities im deutschsprachigen Raum dort stattfindet, ist sie noch schöner! Eine Woche lange stand die Kölner Universität im Zeichen des Themas „Kritik der Digitalen Vernunft„. Über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Schweiz, Österreich und Deutschland waren zusammengekommen. Viele ließen sich auch von der grassierenden Grippewelle nicht abhalten… und wurden mit einer insgesamt perfekt organisierten Tagung belohnt, die nicht nur bei der Teilnehmerzahl sondern auch im Abendprogramm neue Maßstäbe setzte. Aber dazu später.

http://dhd2018.uni-koeln.de/wp-content/uploads/dhd2018_logo.png

Der DHd Verein ist noch verhältnismäßig jung. Um so bemerkenswerter ist der stete Zuspruch, den die Digital Humanities bislang erhalten. Die Mitgliederzahl des Vereins ist inzwischen auf über 300 Personen gestiegen und es gibt eine Vielzahl von Arbeitsgruppen, die tatsächlich auch etwas arbeiten. In wiss. Vereinen ist das nicht immer selbstverständlich. Die Tagung begann am Montag Mittag mit Workshops. Am Dienstag abend begann mit einem Vortrag von Sybille Krämer (Berlin) das Hauptprogramm. Sie sprach über den „Stachel des Digitalenein Anreiz zur Selbstreflektion in den Geisteswissenschaften?“. Generalthema und Keynotes der Tagung waren nicht zufällig philosophisch angehaucht: Lokaler Organisator war Andreas Speer, seit 2004 Professor der Philosophie an der Universität zu Köln und Direktor des dortigen Thomas-Instituts. Tatkräftig unterstützt wurde er von Patrick Sahle und dem gesamten Team des CCeH. Auch die Abschlußkeynote am Freitagnachmittag von Michael Sperberg-McQueen, einem Urgestein der digitalen Geisteswissenschaften, stieß mit „Kritik der digitalen Vernunft“ in das selbe kantianische Horn. Dazwischen lagen drei ereignisreiche Tage, deren über 60 Vorträge sich in vier parallelen Sessions über die Zuhörer ergossen.

Man kann nur berichten, was man gehört und gesehen hat, also beschränke ich mich schon aus praktischen Gründen darauf. Verschweigen will ich aber auch nicht, was ich gefühlt habe (tagsüber, in den Hörsälen): nämlich Kälte! Nun wird es am Niederrhein bekanntlich nie wirklich kalt (ausser in dieser Woche eben), aber falls es zutreffen sollte, dass das Hörsaalgebäude tatsächlich nicht über eine Heizungsanlage verfügt, dann kann daran nur der Kölner Klüngel Schuld sein, denn ansonsten machten mir die Kölner insgesamt einen recht vernünftigen, ja lebensfrohen Eindruck. Unerklärlich hingegen bleibt die wohl absichtliche Verweigerung von Strom und Steckdosen bei den vorgeschalteten Workshops. Ich selber musste einen sehr spannenden (und leider etwas zu klein geplanten, da sehr nachgefragten) Workshop zu wikidata im Übungsteil abbrechen, da meinem inzwischen betagten Notebook der Saft ausging. Und es ging mir nicht alleine so! Am bemerkenswertesten war aber die Begründung, die uns im ersten Workshop am Montag „Suche und Visualisierung von Annotationen historischer Korpora mit ANNIS“ mit Carolin Odebrecht und KollegInnen mitgeteilt wurde: die Universität zu Köln wolle keine Stromanschlüsse zur Verfügung stellen, da dies den Stromverbrauch ungebührlich erhöhen würde…. Wenn die Univerwaltung tatsächlich so argumentierte, dann würde sich hier doch in einzigartiger Weise ein für die Region Niederrhein untypischer Geiz mit Unvernunft paaren (denn ökologische Argumente können wir wohl ausschließen). Der Tagungsleitung und dem Organisationsteam ist dieser Schildbürgerstreich nicht anzulasten – vielmehr liegt hier das Problem wie so häufig bei der Verwaltung der Universitäten, und zwar vermutlich (hoffentlich) in den unteren Etagen…

Nun zum Inhalt. Der dritte Workshop, den ich besuchte, war dem Thema „Research Software Engineering und Digital Humanities“ gewidmet. Mit über hundert TeilnehmerInnen war das schon eine größere Veranstaltung und es war sicher klug, sich für die Diskussionen in Untergruppen aufzuteilen. Erst kürzlich hat sich eine Gruppe fächerübergreifend zu diesem Thema gegründet: de-RSE.org, die von Stefan Janosch (MPI-CBG) vorgestellt wurde. Insgesamt ist eine Diskussion über die Professionalisierung  der Softwareentwicklung in den DH sehr zu begrüßen, eben weil dies nicht zur originären Ausbildung von GeisteswissenschaftlerInnen gehört. Bei den Vorträgen und Panels gab es wie immer Licht und Schatten, obwohl mir das Niveau insgesamt diesmal erfreulich hoch erschien. Ich wende mich mal dem überwiegenden Licht zu. Da sind zunächst die Tracks, die sich durch das Programm zogen und strukturierten: Sitzungen zu Visualisierung, Theorie der digitalen Geisteswissenschaften, Textmining, Sammlungsdigitalisierung, Digitale Literaturwissenschaft, Computer Vision, Digitale Rekonstruktion, Sentimentanalyse, Softwareentwicklung, Annotation, Semantische Analyse sowie Panels zu Historischen Grundwissenschaften, Sprachanalyse, Wissenschaftsorganisation und Forschungsdaten. Zusammen boten sie ein breites Bild der aktuellen Forschungslandschaft und ermöglichten, sich spezifischen Interessengebieten zuzuwenden. Besonders am Herzen lagen mir die Panels zu Forschungsdaten. Das eine von DARIAH/CLARIN , das andere von der AG Datenzentren ausgerichtet. Beide fanden nacheinander am Donnerstagnachmittag statt und waren gute besucht. DARIAH/CLARIN hatte sich als Thema „Gute Forschungsdaten, bessere Forschung: wie Forschung durch
Forschungsdatenmanagement  unterstützt wird“ gewählt und das Datenzentrumspanel, organisiert von Katrin Moeller (Halle-Wittenberg) stand ganz im Zeichen der Frage nach den Standards und ihrer Einbettung in die Fachwissenschaften „Die Summe geisteswissenschaftlicher Methoden? Fachspezifisches Datenmanagement als Voraussetzung zukunftsorientierten Forschens“. Im Zuge des NFDI Prozesses zur Schaffung einer Nationalen Forschungsdateninfrastruktur legen sich alle Beteiligten zurzeit mächtig ins Zeug, um Teil einer föderierten Struktur zu werden. Die Forschungsinfrastrukturen und Datenzentren zeigen sich dazu gut gerüstet.

Besonders spannend fand ich persönlich den Vortrag „Das neue ‚Gesetz zur Angleichung des Urheberrechts an die aktuellen Erfordernisse der Wissensgesellschaft‘ und seine Auswirkungen für Digital Humanities“ am Donnerstag Vormittag. Just am 1.3. trat das neue Gesetz in Kraft und so war dieser Beitrag zum einen hochaktuell und zugleich sehr informativ.

Vielleicht hätte es gelohnt, etwas ausführlicher zu diskutieren, wie sich die Politik eine digitale Nutzung von Werken (keine Veröffentlichung!) für die eigene! wissenschaftliche Forschung im Umfang von bis zu 75% vorstellt. Sollen wir in Zukunft die letzten 25% eines Werkes einfach nicht mehr rezipieren? Oder vielleicht am Ende eines Textes nur noch Lore ipsum Seiten drucken, um diese unsinnige Bestimmung auszuhebeln? Insgesamt sind das Gesetz und die Wissenschaftsschranke sicher ein Schritt in die richtige Richtung, aber gut gemeint ist bekanntlich nicht immer ausreichend. So wird es jedenfalls nichts mit der exzellenten Forschung im internationalen Vergleich in Deutschland. Da schaffen wir maximal 75% Exzellenz!

„Data Models for Digital Editions: Complex XML versus Graph Structures“, so lautete ein Vortrag von Daniel Bruder und Simone Teufel, der ein wichtiges Problem in den DH adressierte, dem meiner Meinung nach zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. XML aus Auszeichnungssprache mit ihrem streng hierarchischen Baum wird in manchen Fällen der Komplexität geisteswissenschaftlicher Beschreibungstiefe nicht gerecht. Andere, z.B. Graph- bzw. RDF basierte Formen könnten langfristig besser geeignet sein, tiefe Annotation – vielleicht ja sogar über eine gemeinsame ontologische Basis(?) – zu repräsentieren. Posterslam und Postersession sind inzwischen etablierte Präsentationsformen auch in den Geisteswissenschaften. Ihnen war der Donnerstagnachmittag gewidmet, der mit einem Empfang schloss, bei dem man die Poster anschauen und diskutieren konnte. Kulturelles Highlight war aber sicher der für Mittwochabend angesetzte Fightclub, in dem vier prominente „KontrahentInnen“ (Henning Lobin, Heike Zinsmeister, Hubertus Kohle, Mareike König) mit Gedichten und coolen Sprüchen gegeneinander antraten und für eine gelungene Mischung aus Unterhaltung und Reflektion über das eigene Tun sorgten. Anschliessend wurde bis tief in die Nacht getanzt… Mehr dazu auf Twitter, immer unter dem Hashtag #dhd2018.

Bleibt der Blick in die Zukunft. Die nächste DHd  findet 2019 in Mainz und Frankfurt statt, also gar nicht so weit vom diesjährigen Austragungsort. Die Latte hängt hoch, aber die  nächsten Gastgeber sind gut gerüstet für diese Aufgabe und haben schon ein Boot organisiert, um die TeilnehmerInnen sicher und stilvoll von einem Ort an den anderen zu bringen….