{"id":25,"date":"2017-11-21T10:59:32","date_gmt":"2017-11-21T09:59:32","guid":{"rendered":"http:\/\/digihum.de\/jpn\/?page_id=25"},"modified":"2017-11-21T14:09:46","modified_gmt":"2017-11-21T13:09:46","slug":"addenda","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/digihum.de\/jpn\/addenda\/","title":{"rendered":"Addenda"},"content":{"rendered":"<h3>Die Annalen von Clonmacnoise<\/h3>\n<p>Bei der Abfassung der Arbeit ging ich davon aus, dass es sich bei den Annalen von Clonmacnosie um ein aus dem gleichnamigen Kloster stammenden Annalenwerk des fr\u00fchen bzw. hohen Mittelalters handele. Dem ist jedoch nicht so. Vor kurzem stellte ich bei der Vorbereitung eines Vortrag fest, dass es sich um vielmehr um einen sp\u00e4tmittelalterlichen irischen Text handelt, der mit dem Jahr 1408 endet und die Menschheitsgeschichte ausgehend von Adam und Eva mit Fokus auf Irland und die Gebiete auf beiden Seiten des Flusses Shannon im Annalenstil mit Eintr\u00e4gen f\u00fcr jedes Jahr aufz\u00e4hlt. Doch handelt es sich eben nicht um Eintraege in zeitlicher Naehe zum Geschehen, sondern um eine spaetmittelalterliche Kompilation. Gerade bei der fraglichen Stelle zum Herrenrecht der ersten Nacht scheint es sich zudem um eine Beifuegung aus dem 15. Jahrhundert zu handeln. Dafuer spricht der topische Stil der Stelle. Auch der Zusammenhang mit der Mitgift der Frau (bestowinge), der in dem Text hergestellt wird, spricht f\u00fcr eine solche sp\u00e4te Datierung. Der Quellenwert fuer das fr\u00fche und hohe Mittelater dieser Annalen scheint aus den genannten Gr\u00fcnden sehr gering zu sein. Somit gibt es keine Erw\u00e4hnung des Herrenrechts der ersten Nacht aus dem fr\u00fchen oder hohen Mittelalter &#8211; das erste Mal taucht der Topos in nachantiker Zeit ca. 1250 im Lied der Bauern von Verson auf.<\/p>\n<p>Die entsprechenden Stellen in meinen Publikationen sind daher zu korrigieren:<\/p>\n<p>S. 27: Es ist von einer merkw\u00fcrdigen Ironie, da\u00df auch in den sp\u00e4tmittelalterlichen Annalen von Clonmacnoise \u00c4hnliches \u00fcber die im fr\u00fchen neunten Jahrhundert in das Land einfallenden und pl\u00fcndernden Wikinger behauptet wird.<\/p>\n<p>S. 71: Andere Sagen aus sp\u00e4terer Zeit verwenden das Herrenrecht als Zeichen von Tyrannei und Despotismus. In diesem Zusammenhang taucht es auch schon in einer fr\u00fchmittelalterlichen irischen Schriftquelle aus klerikalem Kontext auf. In einer Liste von sexuellen und anderen Mi\u00dfbr\u00e4uchen, die den Wikingern im Jahre 830 in den Annalen von Clonmacnoise zugeschrieben wurden, findet sich auch folgende, leider nicht ganz vollst\u00e4ndig erhaltene, Anschuldigung:<\/p>\n<p>Ihr Anf\u00fchrer soll die Gunst jeder Frau im K\u00f6nigreich in der ersten Nacht nach ihrer Hochzeit haben, also bevor ihr eigner Ehemann fleischlichen Verkehr mit ihr hat, zu wem es ihm ge-f\u00e4llt oder sie zu behalten &#8230; (unleserliches Seitenende) zu ihm bei Nacht, um seine Lust zu befriedigen.<\/p>\n<p>Dieser Text schlie\u00dft die gro\u00dfe L\u00fccke, die zwischen der Erw\u00e4hnung des Herren-rechts in der sp\u00e4tantiken Literatur und dem Wiederauftreten des Topos in der sp\u00e4tmittelalterlichen Literatur besteht. Ein Fortleben der Antike ist hier, ganz im Sinne Henri PIRENNEs, deutlich zu beobachten. Im Kontext der schon beschriebenen Verwendungen des Herrenrechts in der antiken Literatur erkennen wir in dieser Anschuldigung jedoch nicht einen Hinweis auf tats\u00e4chliche Mi\u00df-br\u00e4uche, sondern eher ein weiteres Beispiel f\u00fcr den fortgesetzten Einsatz dieses Stereotyps in der Literatur seit Anbeginn der Schriftverwendung.<\/p>\n<p>S. 331: Das fr\u00fche Mittelalter schweigt, bis auf eine Ausnahme, zum Thema des Her-renrechts der ersten Nacht. Nur in den Annalen des irischen Klosters Clon-macnoisie findet sich aus der Zeit um 800 ein Hinweis, da\u00df der antike Topos auch in dieser Zeit in Europa noch bekannt war. Der Schreiber beschuldigte darin die Wikinger einer solchen Tyrannei und bezog damit das Herrenrecht auf die Probleme seiner Zeit. Dieser \u00bbGebrauch\u00ab des Herrenrechts der ersten Nacht ist auch ein Merkmal der Verwendung des jus primae noctis in der sp\u00e4tmittel-alterlichen Literatur und Dichtung.<\/p>\n<p>Literatur: Murphy, Denis; The Annals of Clonmacnosie, beeing Annals of Ireland from the earliest period to A.D. 1408, translated to English A.D. 1627 by Conell Mageoghagan, Dublin 1896, S. 133f.<\/p>\n<hr \/>\n<p>Herr Hendrik M\u00e4keler wies mich vor kurzem auf folgende Stelle bei Nicolas Oresme hin, die man als Anspielung auf eine m\u00fcndliche Tradition zum Herrenrecht der ersten Nacht im 14. Jahrhundert interpretieren kann: &#8222;Sicut igitur communitas non potest concedere principi quod ipse habeat auctoritatem abutendi uxoribus civium quibuscumque voluerit, ita non potest ei dare tale privilegium monetarum quo ipse non posset nisi male uti, exigendo tale lucrum supra mutationem earum&#8220; &#8222;Wie es aber die Gesellschaft dem F\u00fcrsten nicht gestatten kann, kraft seiner Stellung Gattinnen der B\u00fcrger f\u00fcr sich in Anspruch zu nehmen (eigentlich: wie auch immer er m\u00f6chte zu mi\u00dfbrauchen\/ Anm. JW.), so vermag sie ihm auch nicht ein Geldvorrecht zu gew\u00e4hren, das nur schlechtem Gebrauch dient, indem es Gewinn aus Geldabwertungen macht.&#8220;<br \/>\nNicolas Oresme: De mutatione monetarum tractatus &#8211; Traktat \u00fcber Geldabwertungen, \u00fcbers. v. Martin Burckhardt, Berlin: Kulturverlag Kadmos, 1999, S. 60 f. [erg\u00e4nzt am 31.10.2002]\n<hr \/>\n<h3>Reviews \/ Rezensionen:<\/h3>\n<ul>\n<li>M. Borgolte, in: FAZ vom 2.11.1999<\/li>\n<li>B. Schmidt, in: Uster und Umgebung vom 13.1.2000<\/li>\n<li>Neue Z\u00fcrcher Zeitung Z\u00dcRICH UND REGION Donnerstag, 27.04.2000 Nr.98\/48<\/li>\n<li>Tilmann Walter, in: Zeitschrift f\u00fcr Sexualforschung, 13. Jg., 2000, Heft 2, S. 172-174.<\/li>\n<li>Eva Lacour, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung f\u00fcr Rechtsgeschichte, Germanistische Abteilung, Bd. 118, 2001.<\/li>\n<li>Maren Lorenz, (Hamburger Stiftung zur F\u00f6rderung von Wissenschaft und Kultur), in: PERFORM 2 (2001), Nr. 3 [01.05.2001].<\/li>\n<li>Klaus van Eickels, in: ZHF, Bd. 28, 2001, S. 445-447.<\/li>\n<li>Daniela M\u00fcller, in: INTAMS review 7 2001, S. 244-246.<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Annalen von Clonmacnoise Bei der Abfassung der Arbeit ging ich davon aus, dass es sich bei den Annalen von Clonmacnosie um ein aus dem gleichnamigen Kloster stammenden Annalenwerk des fr\u00fchen bzw. hohen Mittelalters handele. 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